WURZELBEHANDLUNG

Hat sich der Nerv eines Zahnes entzündet oder bereits der Knochen, welcher die Wurzelspitze umgibt,  ist dies kein Grund mehr für eine Zahnextraktion. Das Wurzelkanalsystem, in dem sich der Nerv, kleine Venen und Arterien befanden, muss mechanisch aufbereitet, desinfiziert und anschließend auf voller Länge gefüllt werden.

Sind „tote“ Zähne denn nicht schlecht für die Gesundheit?


Immer wieder sind Patienten verunsichert, wenn Zähne durch Entzündungen oder bis in den Nerv reichende Karies abgetötet werden müssen. Also das innere Gewebe des Zahnes entfernt werden muss oder sich herausstellt, dass der Zahn bereits tot ist.

Problematisch ist nicht der im Knochen verbleibende Zahn, der nicht mehr durchblutet wird. Dieser ist immer noch über lebendige Zellen mit einem funktionierenden Faserapparat im Knochen verankert und besitzt über sein Parodontium ein intaktes Abwehrsystem.

Es dürfen nur in seinem Wurzelkanalsystem keine Keime überleben, damit Zahn und Patient gesund bleiben.




Tut eine Wurzelbehandlung nicht schrecklich weh?


Entgegen kursierender Horrorgeschichten ist eine Wurzelkanalbehandlung in der Regel völlig schmerzlos.

Ist die Entzündung schon weit fortgeschritten und ein Patient kommt bereits mit sehr starken Beschwerden zu uns wird es zwar anspruchsvoller, aber dennoch ist mit etwas Geduld Schmerzfreiheit möglich.

Wir setzen dann in der Regel größere Mengen Betäubungsmittel ein. Wenn auch die nicht ganz helfen, kommen zusätzlich starke Schmerzmittel zum Einsatz.

Wenn gewünscht, nimmt eine Sedierung mit Lachgas zusätzlich die Angst und verstärkt die schmerzstillende Wirkung.




Wie lange dauert sowas?


In Abhängigkeit von der Komplexität der Wurzelkanäle braucht man für eine Wurzelkanalbehandlung in etwa zwischen 3 und 5 Stunden. Auch bei einem einzigen Wurzelkanal ist man der Einhaltung der Mindestspülzeiten wegen nicht vor 1 1/2 bis 2 Stunden fertig. In der Regel teilen wir die Behandlung deshalb in 2-3 Termine auf, um es für den Patienten nicht so anstrengend werden zu lassen.




Ist ein wurzelkanalbehandelter Zahn frakturanfällig?


Ja. Aber nicht, weil der Zahn nun nicht mehr durchblutet wird.

Vielmehr bekommt ein endodontisch behandelter Zahn durch den notwendigen Zugang zum Wurzelkanalsystem eine mechanische Schwachstelle. Diese „Sollbruchstelle“ liegt schon tief unter dem Zahnfleisch am Übergang der sogenannten Zahnkrone in den Wurzelbereich.

Trifft man mit harter Nahrung (in der Hitliste oben liegen Kerne von Früchten, Bonbons, Steine in Brot oder Müsli.) nun den Höcker des geschwächten Zahnes, so bricht häufig die gesamte darunter liegende Zahnwand bis zu dieser Stelle ab.

Deshalb raten wir, Zähne mit einer Wurzelbehandlung mit einer stabilen Krone oder Teilkrone zu versorgen, sobald die erste Nachkontrolle der Wurzelfüllung (nach 3 Monaten) eine Ausheilung der Entzündung zeigt.




Was macht die Wurzelbehandlung so schwierig?


Die Eingänge in die Wurzelkanäle sind meistens sehr klein. Nur unter einem Operationsmikroskop in vielfacher Vergrößerung lassen sich häufig wichtige Details erkennen.

Komplette Keimfreiheit muss in der gesamten Behandlungskette gewährleistet sein.

  • Bestehende Karies muss sicher entfernt sein.
  • Der Zahn muss mit einer dicht verklebten Aufbaufüllung versorgt sein.
  • Ein sogenanntes Spanngummi isoliert den Zahn vom den übrigen Bakterien in der Mundhöhle (kein Speichelkontakt). Das so entstehende Arbeitsfeld wird vor Behandlungsbeginn desinfiziert.

Viele Kanalsysteme sind anatomisch sehr kompliziert.

  • Die Menge der Hauptkanäle variiert von Fall zu Fall.
  • Kanäle können verkalken und schlecht zugänglich sein (Obliteration).
  • Häufig sind die Wurzelkanäle stark gekrümmt, bisweilen sogar s-förmig.
  • Oder Kanäle haben unregelmäßige Wände, sind oval, haben Verbindungen und Seitenabzweigungen…

Eine exakte Längenbestimmung der Kanäle ist erforderlich. Sie müssen bis zu einer Verengung kurz vor der Wurzelspitze, dem sogenannten Apex, mechanisch aufbereitet werden. Mit dem Endometriegerät wird während der Behandlung permanent die Distanz bis zum Apex bestimmt.

Superflexible Nickeltitanfeilen sind in der Lage auch starke Krümmungen mitzumachen. Zur Verhinderung von Intrumentenbrüchen werden sie unter Einsatz eines programmierten Drehmomentes mit einem speziellen Motor angetrieben. Verwendet werden Einpatienteninstrumente – nur für diesen Zahn.

Sind die Hauptkanäle bis zum Apex dargestellt, hat man erst 60% der Bakterien erreicht. Den Rest erreicht man nur durch ein ausreichend langes Spülen mit Bakterien abtötenden Flüssigkeiten (ab Erreichen des Apex mind. 1 Stunde). Die vorgewärmten Spüllösungen werden zusätzlich mit flexiblen Ultraschallspitzen (Einpatientenspitze aus Kunststoff, d.h. keine Frakturgefahr) im Kanal aktiviert. Durch ein abgestimmtes Spülprotokoll verschiedener Chemikalien werden alle Keime und Gewebsreste aus den Kanälen, Seitenverzweigungen und Wurzelporen entfernt.

Besonders resistente Bakterien oder Pilze werden am Ende durch den Einsatz eines speziellen Lasers (PACT = photodynamische antibakterielle Therapie) zerstört. Dieses Verfahren hilft uns besonders bei Patienten, bei denen gerade nicht alle Antibiotika als Medikament im Wurzelkanal verwendet werden dürfen (z.B. Schwangere).

Abgeschlossen wird die Behandlung nach sorgfältiger Trocknung mit einer Wurzelfüllung der Kanäle und Seitenkanäle – nicht zu kurz und nicht zu lang.

Wir verwenden dazu ein thermoplastisches Verfahren. Das heißt, das Material (Guttapercha mit Sealer = Wurzelfüllpaste für kleinste Strukturen) wird beim Abfüllen erwärmt und dadurch verflüssigt. So erreicht man eine bessere Ausfüllung der Hohlräume des Kanalsystems ohne zu starken Druck auf die Wurzeln auszuüben. Idealerweise sieht man im Kontrollröntgenbild auch die Abfüllung kleiner Nebenkanäle und den Austritt von Sealer an der Wurzelspitze als kleine Wolke (genannt Puff). Überschüssiger Sealer wird später vom Knochen abgebaut. In der Wurzel versiegelt er Poren und Minikanäle.

Die Behandlung erfordert viel Zeit und Sorgfalt. Nur, wenn man die investiert, sind Erfolgsquoten von deutlich über 90% möglich.





Was heißt Erfolg?


  • Der Zahn ist schmerzfrei.
  • Knochendefekte an der Wurzelspitze heilen langsam aus. Knochen bildet sich zurück, sogenannte „Aufhellungen“(= im Röntgenbild dunkle Schatten) um die Wurzelspitze verschwinden.
  • Der Zahn bleibt über lange Jahre erhalten.




Was passiert, wenn eine Wurzelbehandlung schon schief gegangen ist?


Manchmal entzünden sich bereits wurzelgefüllte Zähne erneut.

Das kann übrigens auch passieren, wenn durch eine neue Karies oder Fraktur des Zahnes die Wurzelfüllung wieder Kontakt zu neuen Bakterien bekommt. Studien haben gezeigt, dass Bakterien in der Lage sind, das sehr bioverträgliche Wurzelfüllmaterial innerhalb von 48h zu durchwandern. Meistens sind sie sogar schneller.

Kommt es zu einer Reinfektion oder sind Keime im Kanalsystem verblieben, gibt es erneut Beschwerden an dem Zahn. Dieser wird empfindlich auf Klopfen von oben oder der Seite, tut beim Aufbeißen weh. Oder der Patient spürt unangenehmen Druck, hat unbestimmte Nervenschmerzen in der Region. Manchmal schwillt die Schleimhaut über der Wurzelspitze oder es entleert sich Eiter über eine Fistel. Auf dem Röntgenbild sieht man dann erneut eine im Vergleich zu vorher größere Aufhellung im Knochen um die Wurzelspitze.

Früher wurde dem Patienten dann meist ein chirurgischer Eingriff empfohlen, die operative Entfernung der Wurzelspitze, zusammen mit dem entzündlich veränderten Gewebe, eine Wurzelspitzen-Resektion (WSR).

Heute wissen wir, dass auch diese meist nur Erfolg hat, wenn die darüber liegende Wurzelfüllung keimfrei ist. Sonst kehrt die Entzündungsreaktion bereits nach kurzer Zeit wieder.

Nur in ganz wenigen Fällen gibt es noch einen Grund für eine WSR.

Stattdessen versucht man eher, alte Wurzelfüllungen wieder chemisch-mechanisch zu entfernen (Revision) und den Zahn erneut nach modernen Methoden zu dekontaminieren. Man hat dann eine realistische Chance, dass der Zahn anschließend wieder ausheilt.

Fast immer lassen sich auch alte Wurzelstifte und je nach Lage sogar frakturierte Instrumente wieder aus der Wurzel bergen.

Auch die Wurzelfüllungen resezierter Zähne sind erneuerbar. Der fehlende Stopp an der entfernten Wurzelspitze wird mit einem für den Knochen biokompatiblen Spezial-Zement (MTA) verschlossen. Dieses Material kann auch zum Reparieren anderer Defekte in der Wurzel benutzt werden (Via falsa = falschen Ausgang aus der Wurzel genommen, verletzter Furkationsboden).




Macht es Sinn, auch die Wurzel von Milchzähnen zu behandeln?


Manchmal ist das durchaus sinnvoll. Wenn nämlich Milchbackenzähne schon lange, bevor der neue Zahn folgt, an der Pulpa erkranken. Sie erhalten den Platz im Gebiss für die neuen bleibenden Zähne. Mit Ihrem Erhalt können Zahnspangen oder andere Platzhalter vermieden werden.

Die Milchzahnwurzelfüllung ist jedoch anders als beim Bleibenden Zahn aus einem Material, welches später zusammen mit der Milchzahnwurzel vom darunter wachsenden neuen Zahn aufgelöst (resorbiert) wird.




Was ist die Alternative zur Wurzelbehandlung?


Leider bleibt alternativ nur die Entfernung des betreffenden Zahnes. Unbehandelt wird sich die bakterielle Infektion des Wurzelkanals auf den umgebenden Knochen ausbreiten, kann über das Blut auch in andere Regionen gelangen und gefährdet dann Ihre Gesundheit (Abszess-Entstehung, Fistel, Sepsis=Blutvergiftung).

Der fehlende Zahn kann dann auf verschiedene Arten ersetzt werden (Implantat, Brücke, Prothese).




Welche Kriterien spielen eine Rolle, bei der Entscheidung für eine Wurzelkanalbehandlung?


  1. Hat der Zahn überhaupt noch genug eigene Substanz, so dass er nach Wurzelfüllung mit Hilfe z.B. einer Krone erhalten werden kann?
  2. Ist der Zahn parodontal gesund und steht fest im Knochen? Oder gibt es bereits einen starken Knochenabbau?
  3. Gibt es eine gute endodontische Prognose? Oder sind Schwierigkeiten bei der Wurzelkanalbehandlung zu erwarten?

Diese Punkte werden wir zunächst mit Ihnen besprechen. Sind die Fragen 1-3 mit einem klaren „JA“ zu beantworten, spricht alles für einen Erhaltungsversuch mittels Wurzelbehandlung.

Genauer abwägen muss man nur bei erheblichen allgemeinmedizinischen Problemen, die mit einer Schwächung des Immunsystems einhergehen.




Zahlt meine Krankenkasse eine so aufwendige Wurzelbehandlung?


Die meisten privaten Krankenversicherungen zahlen die Behandlung komplett.

Gesetzlich Versicherte bekommen die Behandlung nur anteilig erstattet. Und auch das nur, wenn der betroffene Zahn den Richtlinien für eine Wurzelkanalbehandlung nach Kassenrecht entspricht. Gute Zusatzversicherungen übernehmen aber meist einen Großteil der entstehenden Kosten.

Eine Transparenz der zu erwartenden Kosten ist uns wichtig, so dass wir Ihnen vor der eigentlichen Wurzelkanalbehandlung eine Kostenvorhersage für die Gesamtbehandlung erstellen. Bei akuten Schmerzbehandlungen entstehen auch für den Kassenpatienten noch keine Kosten.





© 2020 Dr. Heike Meynberg

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